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Bexio & Abacus automatisieren: Was über die eingebauten Funktionen hinausgeht

Viele Schweizer KMU haben Bexio oder Abacus im Einsatz und nutzen davon einen Bruchteil. Rechnungen schreiben, Bankabgleich, ein bisschen Buchhaltung. Das funktioniert. Was oft übersehen wird: Beide Systeme haben offene Schnittstellen, über die sich genau die Arbeit automatisieren lässt, die heute noch jemand von Hand macht. Belege erfassen, Daten zwischen Programmen kopieren, Listen pflegen. Dieser Artikel ordnet ein, was die beiden Systeme von Haus aus können, wo die Grenze verläuft und was über die offenen Schnittstellen tatsächlich machbar ist.

Was Bexio und Abacus von Haus aus können

Bexio bringt für kleinere Betriebe einen soliden Grundstock an Automatisierung mit. Der automatische Zahlungsabgleich ist das stärkste Stück: Sobald eine Zahlung auf dem Bankkonto eingeht, markiert Bexio die passende Rechnung als bezahlt. Für QR-Rechnungen erzeugt das System ausserdem automatisch Buchungsvorschläge im Posteingang. Die Mobile-App scannt Belegfotos per OCR und füllt Felder vor.

Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Bei Nicht-QR-PDFs landet der Beleg ohne ausgefüllten Lieferanten, Datum und Betrag im Posteingang. Die vollautomatische Buchungserkennung mit Kontakt-Abgleich, Konto- und MwSt-Zuweisung sowie mehrstufiger Freigabe steckt bei Bexio in den höheren Paketen. Was darunter liegt, ist Komfort, aber keine Vollautomatik.

Abacus spielt in einer anderen Klasse. Die KI-gestützte Dokumentverarbeitung läuft über die Cloud-Komponenten DeepBox (digitaler Briefkasten) und DeepO (die KI). Kreditorenbelege treffen per E-Mail, Upload oder Scan ein, die KI liest strukturierte Daten aus, von der Lieferantenadresse über die MwSt bis zu einzelnen Rechnungszeilen, ordnet sie nach definierten Regeln einer Kostenstelle oder einem Projekt zu und erzeugt automatisch eine Buchung samt Freigabeprozess. Das ist deutlich näher an einer echten Dunkelverarbeitung.

Bexio oder Abacus: eine Frage der Komplexität, nicht der Mitarbeiterzahl

Die gängige Faustregel lautet: Bexio für kleine Betriebe und Start-ups, Abacus für den Mittelstand und grössere Strukturen. Das stimmt als grobe Richtung, führt als alleiniges Kriterium aber in die Irre. Entscheidend ist nicht, wie viele Personen Sie beschäftigen, sondern wie komplex Ihre Abläufe sind.

KriteriumEher BexioEher Abacus
ProfilStart-ups, kleinere KMUMittelstand, grössere Strukturen
Bedienungschlank, schnell startklarumfangreich, beratungsintensiv
Lohnbuchhaltungeinfachtief integriert, anspruchsvoll
Mehrere Mandanten / ModulebegrenztKernstärke
KI-Belegverarbeitunggrundlegend, paketabhängigDeepBox / DeepO, weit ausgebaut
SchnittstellenREST-APIAbaConnect (XML/SOAP) plus REST-Module

Ein Handelsbetrieb mit 40 Mitarbeitenden und simpler Struktur kann mit Bexio glücklich werden. Ein Dienstleister mit 15 Personen, aber mehreren Gesellschaften, projektbasierter Abrechnung und eigener Lohnverarbeitung stösst dort schneller an Grenzen. Bevor Sie einen Wechsel erwägen, lohnt der Blick darauf, ob Ihr Schmerzpunkt wirklich das System ist oder nur ein nicht automatisierter Prozess innerhalb des Systems.

Was die Schnittstellen zusätzlich möglich machen

Hier liegt der Teil, den die meisten ungenutzt lassen. Beide Systeme sind keine geschlossenen Kästen.

Bexio bietet eine REST-API. Sie arbeitet über HTTPS, nutzt JSON als Datenformat und ist per OAuth2 abgesichert. Über die API lassen sich unter anderem Kontakte, Rechnungen, Angebote, Aufträge, Produkte, Dateien und Buchhaltungsdaten lesen und schreiben. Den Zugang richten Sie im Bexio-Developer-Portal ein. (Praktischer Hinweis am Rande: Wer noch den alten Identity-Provider idp.bexio.com verwendet, muss auf auth.bexio.com migrieren; der alte Endpunkt wurde per Ende März 2025 abgeschaltet.)

Abacus bietet mehrere Schnittstellen. Etabliert ist AbaConnect für XML-Import und -Export sowie als WebService auf SOAP-Basis. Daneben baut Abacus zunehmend REST-API-Module aus. Zusammen mit der KI-Verarbeitung über DeepBox ergibt sich ein breites Spektrum, um Abacus an andere Systeme anzubinden.

Was Sie damit erreichen können, lässt sich in drei Stufen denken:

  • Verknüpfen ohne Programmierung: Plattformen wie Zapier oder Make verbinden Bexio mit anderen Apps und automatisieren einfache Auslöser-Aktion-Ketten, etwa “neue Bestellung im Shop → Kontakt in Bexio anlegen”. Gut für klar umrissene, standardisierte Abläufe.
  • Datenflüsse zwischen Systemen: Stammdaten, Belege oder Buchungen automatisch zwischen Ihrem Branchensystem, Onlineshop, CRM und der Buchhaltung abgleichen, ohne doppelte Erfassung.
  • Eigene Logik: Belege erkennen, prüfen, anreichern und nach Ihren Regeln einbuchen, dort wo die vorgefertigten Bausteine nicht reichen. Das ist der Bereich, in dem eine massgeschneiderte Schnittstelle gegenüber Standardkonnektoren punktet, weil sie robuster, nachvollziehbarer und auf Ihre Ausnahmen ausgelegt ist.

Beispielfluss: von der E-Mail zum Beleg in Bexio

Damit das konkret wird, ein typischer Ablauf, wie er sich über die API umsetzen lässt. Eine Lieferantenrechnung trifft als PDF im Postfach ein. Ohne Automatisierung passiert nun: herunterladen, öffnen, Beträge ablesen, in Bexio eintippen, Beleg ablegen. Pro Rechnung ein paar Minuten, über das Jahr summiert sich das.

Automatisiert sieht derselbe Weg so aus:

  1. Eingang. Die Rechnung landet in einem definierten Postfach oder Ordner.
  2. Erkennung. Eine KI-gestützte Belegerkennung liest Lieferant, Datum, Betrag, MwSt und Rechnungsnummer aus, auch aus Nicht-QR-PDFs.
  3. Prüfung und Zuordnung. Die Daten werden gegen Ihre Lieferantenliste abgeglichen, Konto und MwSt-Code nach Ihren Regeln zugewiesen, Auffälligkeiten markiert.
  4. Übergabe. Über die Bexio-API wird der Beleg samt strukturierten Daten und PDF-Anhang angelegt, im passenden Status.
  5. Freigabe. Strittige Fälle gehen an einen Menschen, der Rest läuft durch.

Der entscheidende Punkt ist Schritt 3 und 5. Niemand mit Verstand übergibt Geld-Buchungen blind an eine Maschine. Eine seriöse Automatisierung erkennt ihre eigene Unsicherheit und legt Zweifelsfälle einem Menschen vor, statt sie zu verstecken. Genau dieses Muster, KI für die Fleissarbeit, Mensch für die Entscheidung, betreiben wir bei Vollmer Labs in Form von Buchhaltungs-Agenten in einem Produktiv-Setup bei einem US-Treuhandkunden. Die Bausteine dafür sind erprobt; für Schweizer Bexio-Installationen passen wir sie auf die jeweilige Kontierung und Freigabelogik an.

Was Sie bei der Aufbewahrung nicht übersehen dürfen

Automatisierte Belegflüsse berühren die gesetzliche Aufbewahrungspflicht, und die gilt unabhängig davon, ob Sie auf Papier oder digital arbeiten. Folgende Punkte sind als Rechtsfakten zu verstehen, nicht als technische Empfehlung:

  • Nach Art. 958f OR müssen Geschäftsbücher und Buchungsbelege sowie Geschäfts- und Revisionsberichte zehn Jahre aufbewahrt werden. Die Frist beginnt mit dem Ende des Geschäftsjahres.
  • Die Geschäftsbücherverordnung (GeBüV) regelt die zulässigen Informationsträger. Elektronische Aufbewahrung ist erlaubt, sofern Integrität (Unveränderbarkeit, Manipulationen erkennbar) und Verfügbarkeit (jederzeit lesbar und geordnet wiederherstellbar) sichergestellt sind.
  • Bei veränderbaren Datenträgern verlangt die GeBüV zusätzliche Massnahmen wie kombinierte Integritätssicherung und Zeitstempel, damit die Aufbewahrung als rechtskonform gilt.
  • Massgeblich ist nach wie vor die GeBüV in der Fassung vom 1. Januar 2013. Eine vom Parlament geforderte Revision zur Erleichterung der digitalen Archivierung für KMU ist über die Motion “Digitale Buchführung erleichtern” angestossen (im Nationalrat 2022 angenommen), aber bislang nicht als revidierte Verordnung in Kraft.

Für Ihre Automatisierung heisst das praktisch: Das Original-PDF muss revisionssicher abgelegt und über zehn Jahre lesbar bleiben. Ein Beleg, der in Bexio als Bild hängt, das Original aber nur im Postfach lag, das nach einem Jahr geleert wird, erfüllt diese Anforderung nicht zuverlässig. Wer Belegflüsse baut, muss die Ablage von Anfang an mitdenken, nicht nachträglich.

Wenn Sie diese drei Fragen für Ihren Betrieb sauber beantworten können, sind Sie auf einem guten Weg: Welcher Schritt frisst heute am meisten manuelle Zeit? Liefert mein System dafür eine fertige Funktion, einen Standardkonnektor oder braucht es eine eigene Schnittstelle? Und wo bleiben die Belege gesetzeskonform für zehn Jahre liegen?

— — FAQ

Häufige Fragen

Bietet Bexio eine REST-API?

Ja. Bexio stellt eine REST-API über HTTPS bereit, die JSON als Datenformat nutzt und per OAuth2 abgesichert ist. Über die API lassen sich Kontakte, Rechnungen, Belege, Produkte und Buchhaltungsdaten lesen und schreiben. Den Zugang verwalten Sie im Bexio-Developer-Portal.

Hat Abacus auch Schnittstellen für externe Programme?

Ja. Abacus bietet mit AbaConnect eine etablierte XML- und WebService-Schnittstelle (SOAP) für Import und Export sowie zunehmend REST-API-Module. Dazu kommt die KI-gestützte Belegverarbeitung über DeepBox und DeepO. Abacus ist deutlich modularer und auf grössere Strukturen ausgelegt als Bexio.

Ab welcher Firmengrösse lohnt sich der Wechsel von Bexio zu Abacus?

Eine harte Grenze gibt es nicht. Grob gilt: Bexio ist auf kleinere KMU und Start-ups ausgelegt, Abacus auf mittelgrosse und grössere Unternehmen mit komplexeren Prozessen, mehreren Mandanten, eigener Lohnbuchhaltung oder spezifischen Modulen. Entscheidend ist weniger die Mitarbeiterzahl als die Komplexität Ihrer Abläufe.

Brauche ich für Bexio-Automatisierung zwingend einen Entwickler?

Nicht immer. Einfache Verknüpfungen lassen sich über Plattformen wie Zapier oder Make ohne Programmierung bauen. Sobald es um eigene Belegflüsse, KI-gestützte Erkennung oder Logik geht, die über vorgefertigte Bausteine hinausgeht, ist eine massgeschneiderte Lösung über die API meist robuster und wartbarer.

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