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Schneller offerieren: Wie Handwerksbetriebe ihre Angebote mit KI vorbereiten

Eine Offerte zu schreiben kostet im Handwerk oft mehr Zeit als die Arbeit auf der Baustelle vorab vermuten laesst. Aufmass nehmen, Positionen heraussuchen, Mengen hochrechnen, NPK-Texte einsetzen, Preise pflegen, MWST sauber ausweisen, Layout. Und das alles am Abend nach Feierabend, weil tagsueber der Betrieb laeuft. Wer langsam offeriert, verliert Auftraege an den, der schneller ist. KI kann diesen Vorbereitungsteil deutlich verkuerzen. Aber sie nimmt Ihnen nicht die Verantwortung ab, und das ist der ehrliche Kern dieses Artikels.

Der Weg vom Aufmass zur Offerte

In den meisten Betrieben laeuft die Angebotserstellung in fuenf Schritten ab. Jeder davon kostet Zeit, und genau hier setzt Automatisierung an.

  1. Aufmass nehmen. Vor Ort oder aus Plaenen: Flaechen, Laengen, Stueckzahlen, Raumsituation.
  2. Leistungen festlegen. Welche Arbeiten fallen an, in welcher Reihenfolge, mit welchem Material.
  3. Positionen zuordnen. Im Schweizer Bau heisst das in der Regel: passende NPK-Positionen aus dem Katalog auswaehlen oder ein vorgegebenes Devis abarbeiten.
  4. Kalkulieren. Mengen mit Einheitspreisen verrechnen, Material, Lohn, Zuschlaege, Rabatte, MWST.
  5. Offerte formatieren und pruefen. Pflichtangaben, Gueltigkeitsdauer, Zahlungsbedingungen, Layout.

KI kann bei den Schritten zwei bis fuenf vorbereiten: aus einer Beschreibung oder einem Sprachmemo Positionen vorschlagen, Mengen aus dem Aufmass hochrechnen, Standardtexte einsetzen und ein sauberes Dokument generieren. Schritt eins, das Aufmass selbst, und die finale Pruefung bleiben menschlich. Eine falsch gemessene Wand bleibt auch nach perfekter Kalkulation eine falsch gemessene Wand.

Was KI uebernimmt und was nicht

Die Trennlinie ist im Handwerk wichtig, weil ein Fehler in der Offerte direkt ins Geld geht. Zu tief kalkuliert heisst draufzahlen, zu hoch heisst Auftrag weg.

Was KI heute zuverlaessig vorbereitet:

  • Aus einer Leistungsbeschreibung oder einem Sprachmemo strukturierte Positionen ableiten (“Wohnzimmer, 5 mal 4,5 Meter, Waende und Decke streichen”).
  • Vorhandene NPK- oder CRB-Positionen einer Beschreibung zuordnen und ein Devis lesen.
  • Mengen aus Massen hochrechnen (Flaechen, Laengen, Stueckzahlen).
  • Material aus dem hinterlegten Katalog vorschlagen.
  • Die MWST nach dem korrekten Satz ausweisen und das Dokument formatieren.

Was KI nicht uebernimmt und nicht sollte:

  • Die fachliche Beurteilung, ob eine Position ueberhaupt passt. Eine falsche NPK-Position sieht im Dokument korrekt aus und ist trotzdem falsch.
  • Das Aufmass vor Ort. Massfehler erkennt kein Modell.
  • Die Marge. Was Ihr Lohn pro Stunde wert ist, entscheiden Sie, nicht ein Sprachmodell.
  • Die Entscheidung, ob Sie verbindlich offerieren oder einen Kostenvoranschlag abgeben. Das ist eine rechtliche und geschaeftliche Frage.

Ein realistisches Bild zu Genauigkeit: Anbieter und Praxisberichte aus dem deutschsprachigen Raum nennen fuer KI-gestuetzte Kalkulationen Trefferquoten in der Groessenordnung von rund 85 bis 90 Prozent mit Abweichungen unter fuenf Prozent, wobei die Restfaelle vor allem ungewoehnliche, nicht in den Daten abgebildete Anforderungen betreffen. Diese Zahlen stammen von Anbietern und sind keine unabhaengige Messung. Behandeln Sie sie als Hinweis, nicht als Garantie. Genau deshalb bleibt der letzte Pruefschritt beim Menschen.

Schweizer Spezifika: NPK, SIA und MWST

Wer im Schweizer Handwerk offeriert, bewegt sich in einem eigenen Regelwerk. Eine generische KI aus dem Netz kennt diese Details nicht von selbst, sie muessen ihr als Datenbasis und Regeln mitgegeben werden.

NPK, CRB und VSS. Der Normpositionen-Katalog NPK ist das Standardwerk fuer einheitliche Leistungsbeschreibungen in der Schweizer Bauwirtschaft. Er wird nicht von einer einzigen Stelle herausgegeben: Die CRB verantwortet die Bereiche Hochbau, Untertagbau und Gebaeudetechnik (Heizung, Lueftung, Klima, Sanitaer, Elektro), waehrend der VSS (Verband Schweizer Strassen- und Verkehrsfachleute) die Kapitel im Tiefbau herausgibt. Der NPK umfasst rund 200 Kapitel, verteilt auf zehn Kapitelgruppen (000 bis 900). Weil er strukturiert und maschinenlesbar ist, eignet er sich gut als Datenbasis: KI kann ein Devis lesen und die passenden Positionen vorschlagen. Die Zuordnung muss aber kontrolliert werden, denn eine falsch gewaehlte Position fliesst direkt in den Preis ein.

SIA-Norm 118. Sie regelt das Bauvertragsrecht spezifisch fuer das Bauwesen und schliesst Luecken, die das allgemeine Werkvertragsrecht im OR offen laesst. Wichtig fuer Offerten: Die SIA-Norm 118 kann Vertragsbestandteil werden, wenn sie in den Submissions- oder Offertunterlagen referenziert und uebernommen wird. Was in Ihrer Offerte steht, hat also Folgen fuer den spaeteren Vertrag. Das ist kein Detail, das ein Automat eigenstaendig entscheiden sollte.

MWST. Seit dem 1. Januar 2024 gelten in der Schweiz folgende Saetze:

SatzHoeheTypische Anwendung
Normalsatz8,1 %Die meisten Handwerksleistungen und Waren
Reduzierter Satz2,6 %Gueter des taeglichen Bedarfs (z. B. Lebensmittel, Medikamente)
Sondersatz3,8 %Beherbergung

Fuer Handwerksleistungen ist in aller Regel der Normalsatz von 8,1 Prozent relevant. Mehrwertsteuerpflichtig wird ein Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 100’000 Franken aus steuerbaren Leistungen. Eine gesetzliche Pflicht, die MWST auf der Offerte separat auszuweisen, gibt es nicht, branchenueblich und empfehlenswert ist es trotzdem: Geben Sie klar an, ob die Preise inklusive oder exklusive MWST sind.

Verbindliche Offerte oder Kostenvoranschlag: ein rechtlicher Unterschied

Diese Unterscheidung wird in der Hektik gern uebersehen, und sie hat reale Folgen. Nach Schweizer Obligationenrecht (Art. 3 bis 5 OR) ist eine Offerte mit Annahmefrist grundsaetzlich bindend, solange die Frist laeuft. Wollen Sie sich nicht binden, braucht es einen klaren Vorbehalt wie “freibleibend” oder “unverbindlich” (Art. 7 OR).

Beim Werkvertrag kommt eine zweite Ebene dazu. Eine genau kalkulierte Offerte mit festen Preisen ist verbindlich, Preisabweichungen muss der Kunde dann nicht akzeptieren. Ein Kostenvoranschlag mit Ungefaehrpreis ist es nicht im gleichen Mass: Gemaess Lehre und Rechtsprechung zu Art. 375 OR gilt eine Ueberschreitung von rund 10 Prozent als Faustregel meist noch als zulaessig. Wird ein vereinbarter Ungefaehrpreis unverhaeltnismaessig ueberschritten, kann der Besteller vom Vertrag zuruecktreten. Welche Form Sie waehlen, entscheiden Sie bewusst, nicht ein Automat im Hintergrund. Eine KI, die einfach “die Offerte” generiert, ohne dass jemand diese Weiche stellt, schafft genau hier Risiko.

Was bei Vollmer Labs schon laeuft und was noch nicht

Hier ist der ehrliche Stand. Die Bausteine, die fuer eine Offert-Vorbereitung noetig sind, betreiben wir produktiv, aber noch nicht in einem fertigen Live-Case fuer Sanitaer oder Maler/Gipser.

  • rfqbuddy.com ist unser RFQ-Tool fuer strukturierte Anfragen und Angebotsentwuerfe. In der aktuell oeffentlich sichtbaren Form ist es als Plattform fuer LED-Beschilderung (Signage) ausgepraegt, nicht als generisches Handwerks-Offert-Tool. Was uns hier interessiert, ist die Mechanik dahinter, lesen, strukturieren, zuordnen, entwerfen, also genau das, was eine Offert-Vorbereitung braucht.
  • CPA-Buchhaltungs-Agenten setzen wir in der eigenen Praxis taeglich produktiv in einer US-Treuhandkanzlei ein. Das ist ein interner Betriebsfakt von uns, kein oeffentlich nachpruefbarer Referenzfall. Er zeigt uns, dass KI-Agenten in einem regelgebundenen, zahlenkritischen Umfeld zuverlaessig laufen, wenn Regeln und Pruefschritte sauber definiert sind.
  • jeffri.ch ist unsere KI fuer Kuechenstudios, mit Schweizer Hosting in Zuerich und CH-Datenschutzbezug, im Pilot in Betrieb. Verwandte Aufgabe: aus einer Aufnahme strukturierte Positionen und ein Angebot vorbereiten.
  • ballistic.club ist eine weitere live betriebene Plattform und Beleg, dass wir Produkte nicht nur planen, sondern betreiben.

Was das fuer einen Sanitaer- oder Malerbetrieb heisst: Die einzelnen Bausteine existieren und sind erprobt, aber an Ihrem konkreten Positionskatalog, Ihren Preisen und Ihren Gewerken muss die Loesung kalibriert werden. Wir verkaufen Ihnen keine fertige Branchenloesung von der Stange, weil es sie ehrlicherweise in genau dieser Form noch nicht gibt. Was wir koennen: die laufenden Bausteine auf Ihren Betrieb anpassen und Schritt fuer Schritt einfuehren, mit dem menschlichen Pruefschritt fest eingebaut. Mehr dazu, wie wir Prozesse automatisieren, und was das konkret fuer Sanitaerbetriebe sowie Maler und Gipser bedeutet, finden Sie auf den jeweiligen Seiten.

— — FAQ

Häufige Fragen

Kann KI eine fertige Offerte ohne Pruefung verschicken?

Nein. KI kann den Entwurf vorbereiten: Positionen aus dem Aufmass ableiten, NPK-Texte zuordnen, Mengen rechnen und die MWST formatieren. Die fachliche und rechtliche Verantwortung bleibt aber beim Betrieb. Bevor eine Offerte rausgeht, prueft eine Fachperson Mengen, Preise und Annahmen. Eine bindende Offerte nach Schweizer Obligationenrecht koennen Sie nicht an einen unkontrollierten Automaten delegieren.

Versteht KI NPK- und CRB-Positionen?

Ja, sofern der Positionskatalog als Datenbasis vorliegt. Der Normpositionen-Katalog (NPK) ist strukturiert und maschinenlesbar, das ist guenstig fuer KI. Herausgegeben wird er von der CRB (Hochbau, Untertagbau, Gebaeudetechnik) und vom VSS (Tiefbau). KI kann eine Leistungsbeschreibung oder ein Devis lesen und die passenden Positionen vorschlagen. Geprueft werden muss die Zuordnung trotzdem, weil falsche Positionen direkt ins Geld gehen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Kostenvoranschlag und einer verbindlichen Offerte?

Eine genau kalkulierte Offerte mit festen Preisen ist verbindlich. Ein Kostenvoranschlag mit Ungefaehrpreis ist es nicht im gleichen Mass: Gemaess Lehre und Rechtsprechung zu Art. 375 OR gilt eine Ueberschreitung von rund 10 Prozent als Faustregel meist noch als zulaessig, bei unverhaeltnismaessiger Ueberschreitung kann der Besteller vom Vertrag zuruecktreten. Welche Form Sie waehlen, ist eine Geschaeftsentscheidung, keine technische.

Lohnt sich das schon fuer einen kleinen Betrieb?

Es kommt darauf an, wie viele Offerten Sie pro Monat schreiben und wie aehnlich diese sind. Wer wenige, sehr individuelle Projekte offeriert, gewinnt weniger. Wer viele vergleichbare Auftraege mit wiederkehrenden Positionen kalkuliert, spart spuerbar Zeit in der Vorbereitung. Ehrlich: In Sanitaer und Maler/Gipser laufen bei uns die einzelnen Bausteine, einen fertigen Live-Case in genau diesen Gewerken haben wir noch nicht.

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